Dennis Eckold

„Eine lebenswerte Stadt für ALLE!“

Interview mit Dennis Eckold

Ich heiße Dennis Eckold. Ich bin 37 Jahre alt, gebürtiger “Heiner”, also in Darmstadt geboren, und seit dem Sommer 2015 wieder in dieser Stadt, genauer im Paulusviertel, wohnhaft.

Ich bin ausgebildeter Speditionskaufmann, arbeite als Wahlkreismitarbeiter in Darmstadt und studiere an der FernUni Hagen Politik-, Verwaltungswissenschaften und Soziologie. In der verbleibenden Freizeit versuche ich, möglichst viel Sport zu treiben und erkunde gerne die schöne Heimatstadt.

Vor meiner Rückkehr nach Südhessen war ich einige Jahre auf Reisen und habe die Welt mit anderen Augen gesehen: ich habe in Neuseeland erlebt, welche Auswirkungen es hat, wenn man ganze Landstriche an Investoren und andere Staaten verhökert, habe in Australien am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet kein Geld zu haben und auf der Straße zu leben. In Kanada habe ich den enormen menschlichen Hunger nach Rohstoffen erlebt und in Österreich, was es heißt einen noch existierenden Sozialstaat zu haben. Zumindest damals…

Überall jedoch war man sich einig: Deutschland ist Vorbild! Mit einer ordentlichen Portion Heimweh und der Überzeugung, zurückzukehren in ein tolles Land, bin ich wieder nach Darmstadt gekommen. In Hartz IV.  Da wird einem dann klar, in welchem Land wir hier wirklich leben.

Vor diesem Hintergrund und mit dem Erstarken der rechten Kräfte in Europa bin ich dann also ohne einen „klassischen“ politischen Hintergrund und Werdegang 2016 in DIE LINKE. eingetreten um aktiv etwas zu verändern in Gesellschaft und Politik. Seitdem organisiere ich ehrenamtlich die Wahlkämpfe des Kreisverbandes Darmstadt und bin dort auch im Kreisvorstand tätig. DIE LINKE. steht in Hessen als einzige Partei konsequent für eine soziale, ökologische und demokratische Abkehr vom neoliberalen Austeritäts- und Sparkurs der übrigen Parteien.

Außerhalb der Partei engagiere ich mich im Bündnis gegen TTIP und bei Community4All, dem Bündnis gegen den sogenannten Abschiebeknast in Eberstadt. Außerdem bin ich Mitglied der Gewerkschaft ver.di.

Die anstehende Landtagswahl wird eine richtungsweisende Wahl für unser Bundesland, in der entschieden wird, in welchem Hessen wir in Zukunft leben möchten.

Hier in meinem Wahlkreis in Darmstadt braucht es dringend Entwicklungen im öffentlichen Nahverkehr, wie beispielsweise die Einführung eines echten Sozialtickets. Wir leben hier in einer Stadt, die bis oben hin vollgestopft ist mit Autos, während man als Radfahrer ständig in Lebensgefahr schwebt. Außerdem erkennt man an zu vielen anderen Stellen eine öffentliche Hand, die von schwarz-roten Bundesnullen und schwarz-grünen Landesnullen kaputt gespart ist. Weitere Beispiele dafür sind das Nordbad und viele Schulen, die jahrelang um dringend notwendige Sanierungen regelrecht betteln mussten. Es wird oft viel zu lange gewartet mit den Investitionen!

Das sind die Folgen einer Politik, die hier in Hessen seit Jahren praktiziert wird: Keine Schulden, keine Steuererhöhungen, keine Investitionen. Diese Politik des „Wer soll das bezahlen?“ muss aufhören!

Wir müssen die Verteilungsdiskussion neu entfachen: mehr Geld in die Taschen der Vielen, eine stark verbesserte Infrastruktur und gut und gerecht bezahlte Arbeit, die Armut verhindert anstatt sie entstehen zu lassen.

Sozial und ökologisch müssen endlich zusammengedacht und -gebracht werden, den entsprechenden Umbau der Gesellschaft möchte ich aktiv mit anschieben.

Die Menschen müssen geschützt werden vor dem weiteren Ausbau des Flughafens und der zunehmenden Anzahl der Flugbewegungen.

Ich fordere außerdem eine konsequente Friedenspolitik in und für Hessen!

Neben all den falschen Geschichten und offenen Lügen der rechten, reaktionären und neoliberalen Kräfte braucht es eine neue linke Erzählung! Ich will den Menschen zeigen, was mit uns anders wird, ein Angebot machen in welcher Welt wir zukünftig leben wollen. Ein Angebot einer starken, Hoffnung schaffenden Alternative, eine Vision.


Zehn Fragen an Dennis Eckold

Wie war dein Weg zum Direktkandidaten für DIE LINKE. in Darmstadt bei der Landtagswahl 2018? Was waren die wichtigsten Schritte für dich?

Wir sind noch immer eine relativ kleine Partei, gerade hier in Darmstadt. Deshalb war der Weg auch weniger lang und steinig, als bei den großen Parteien. Was nicht heißen soll, dass weniger Engagement nötig war.

Der wichtigste Schritt war logischerweise mein Eintritt in die Partei DIE LINKE. vor knapp 2 Jahren, gefolgt von ganz viel persönlichem Einsatz für die politische Arbeit. Ich habe dann letztes Jahr zur Bundestagswahl den Wahlkampf federführend organisiert und fühlte mich damit gerüstet für eine eigene Kandidatur in diesem Jahr. Ich bin unseren Mitgliedern sehr dankbar, dass sie mich schließlich als ihren Kandidaten für den Wahlkreis 49 gewählt haben. Das war im März und seitdem jagt eine neue Erfahrung die nächste.

Welches war aus deiner Sicht die wichtigste Entscheidung des hessischen Landtags in der zurückliegenden Regierungsperiode? Warum?

Das war auf jeden Fall die Einberufung eines Untersuchungsausschusses zu den NSU-Morden, an dem wir als Fraktion maßgeblich beteiligt waren. Nur so kamen ansatzweise die Wahrheiten dieses unsäglichen Kapitels hessischer Politik zu Tage. Leider viel zu wenige stichhaltige Beweise, aber daran haben Landesregierung und Verfassungsschutz naturgemäß auch kein Interesse gehabt.

Was sind für dich die zentralen politischen Themen für die Zukunft Darmstadts? Und für die Zukunft Hessens?

Darmstadt braucht eine neue Vision für das urbane (Zusammen)-leben. Wohin mit dem vielen Verkehr, woher bezahlbare Wohnungen, einen leistungsfähigen ÖPNV und genügend lebenswerte Räume für alle Heiner nehmen, egal ob hier geboren oder aus der ganzen Welt zugezogen.

Gleichzeitig muss das Land Hessen es den Kommunen ermöglichen genau diese Dinge anzupacken, vor allem finanziell. Landesweit sind ein zukunftsfähiges und starkes Bildungssystem und ein emissionsarmes und leistungsfähiges Verkehrsnetz die zentralen Themen der Zukunft.

DIE LINKE. gilt allgemein als eher zerstrittene Partei, warum ist das so?

In der LINKEN ist uns ein demokratisches Miteinander schon an der Basis sehr wichtig. Wir führen oft rege Diskussionen um Themen und Schwerpunkte. In der Öffentlichkeit und den Medien, die die künstliche Geschlossenheit der anderen Parteien oft als friedliches Miteinander interpretieren, wird innerparteiliche Diskussion oft als Streit empfunden.

Warum bist du der Richtige für Darmstadt im hessischen Landtag?

Weil ich kein klassischer Politiker, sondern faktisch ein Quereinsteiger bin und aus der Gesellschaft heraus Dinge verändern will. Meine „Parteikarriere“ ist noch jung und ich glaube ich weiß, was es braucht um Visionen zu entwickeln und veraltete und verbrauchte Konzepte zu überwinden. Ich mache Politik für die „kleinen Leute“, jung oder alt, für Darmstadt in Wiesbaden.

Welches Buch hast du zuletzt gelesen? Und welche Serie hast du zuletzt gesehen?

Die Biographie von Gregor Gysi, ich weiß, das ist als Linker nun totales Klischee. Aber ich finde, dass Gregor Gysi ein hochinteressanter Mensch ist und das Buch hat mich in meiner Meinung von ihm bestärkt.

Als Netflix-Fan der ersten Stunde in Deutschland gucke ich mittlerweile nicht mehr so viele Serien, aber „Money Heist“ (keine Ahnung wie das auf deutsch heißt) war schon große Klasse. Eine spanische Serie über die Besetzung der dortigen Zentralbank, super gemacht und hochspannend.

Was sind persönlich deine wichtigsten Ziele für die kommenden fünf Jahre?

Privat glücklich sein, politisch erfolgreiche Arbeit machen, den Abschluss meines Studiums meistern, sportlich fit bleiben und Europa bereisen.

Wenn du 10.000 Euro frei als Spende verteilen könntest, an wen würdest du spenden?

Noch so ein Klischee, aber ich würde sie tatsächlich an die Partei DIE LINKE. spenden. Auf diesem Wege kommt das Geld wirklich der Gesellschaft zu Gute, denn wir als Partei unterstützen viele Bündnisse und gesellschaftlich wichtige Ereignisse.

Welches sind deine drei liebsten Orte in Darmstadt? Warum?

Der Woog ist schon immer mein Lieblingsort! Also ich meine, hallo, ein Badesee mitten in der City, welche Stadt kann das schon von sich behaupten?

Dann bin ich mittlerweile sehr gerne ums Schloss herum unterwegs, seitdem Schlossgarten, Schlossgraben, Uni und Landesmuseum renoviert sind und bald das Schloss selbst und der Friedensplatz folgen, wird aus diesem vernachlässigten Teil der Innenstadt bald was richtig Schönes! Wenn es dann noch eine Belebung des ehemaligen Waben als Gastronomie gäbe und wir die Überlastung des Cityrings lösen könnten, dann wäre dieser Ort perfekt!

Ebenfalls so ein bisschen in die Zukunft denke ich beim dritten Lieblingsort, dem Kapellplatzviertel. Das Quartier befindet sich noch ein bisschen im Dornröschenschlaf, ich sehe da aber ein Riesenpotential. Ich wohne in der Nähe und bewege ich mich sehr gerne da durch und auch meine Stammkneipe, das Café Hess, liegt dort.

Schlossgrabenfest oder Heinerfest?

Früher hätte ich klar Schlossgrabenfest gesagt, heute eher Heinerfest. Das Schlossgrabenfest wird mir von Jahr zu Jahr kommerzieller und mittlerweile einfach einen Tick zu groß. Zudem muss man seit diesem Jahr mit dem „Pflichtbecher“ faktisch Eintritt zahlen. Das Heinerfest ist dagegen noch ein richtiges „Volksfest“, zu dem eigentlich jede Darmstädterin und jeder Darmstädter einen Bezug hat.